Philosophie: Warum man sie heutzutage erst recht braucht — und studieren sollte!

Lesedauer: 2 Minuten

Philosophie hilft beim strukturierte Nachdenken und steht auch für den Wandel weg zum Bulimie-Lernen. Warum also nicht stärker damit beschäftigen und studieren?

Im Gegensatz zu jeglichen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel, die durch das Internet in den vergangenen zwanzig Jahren stattfanden und immer noch in voller Blüte zu bewundern sind, erfährt ein ungeahnt revolutionärer Aspekt des Informationszeitalters kaum Beachtung in gesellschaftlichen Diskursen: Die Zeiten des Bulimie-Lernens sind vorbei, es ist überflüssig geworden. Das hirnlose Repetieren leicht zugänglicher Inhalte ist dank cloudbasiertem Wissen längst überholt.

Spezialisten braucht es trotzdem – aber andere

Selbstverständlich braucht es nach wie vor Experten in solch klassischen Bereichen wie Medizin, Rechtswissenschaft, oder Politik, und die Philosophie selbst ist ja nun im wahrsten Sinne des Wortes „klassisch“. Trotzdem entfernen wir uns zunehmend von stupider Wissensanhäufung in Form von Fakten, Daten, Jahreszahlen und Statistiken. Allmählich bekommt man das auch an den Universitäten – die oft in dem Ruf stehen, sehr wandlungsträge zu sein – zu spüren. Das verschmähte Bulimie-Lernen wird früher oder später der Vergangenheit angehören. An seine Stelle tritt die Vermittlung von Kompetenzen und Methoden. Zu einer Zeit, in der Suchmaschinen und digitale Lexika unsere nie (oder höchstens bei einem leeren Akku) von der Seite weichenden Begleiter sind, rückt die bloße Kenntnis von Tatsachen in den Hintergrund und lässt die essenzielle Frage aufkommen, wie wir mit diesen Informationen umgehen, wie und ob wir sie hinterfragen, welche Zusammenhänge wir erkennen.


Folge uns bei Facebook und/oder Twitter, um keinen Artikel mehr zu verpassen!


Philosophie fördert Weltwissen

Womöglich die vielversprechendste Taktik, um exakt dieses methodische Denken zu schulen, ist und bleibt eine intensive Beschäftigung mit der Philosophie. Nichts anderes ist nämlich ihr Wesenskern: das strukturierte Nachdenken über weltliche und außerweltliche Themen. Zum Beispiel die alte Leier der Moralphilosophie: Nur, wer sich ehrlich mit ethischen und moralischen Fragen auseinandersetzt, begreift die Struktur moralphilosophischer Grundgerüste, mit Hilfe derer sich ein Mensch dem einen oder anderen Wertekanon verschreiben kann. Auf solch einer Grundlage kann er oder sie überprüfen, wie es diese Denkschule beispielsweise mit dem systematisierten Töten und Essen anderer Spezies, dem blinden Ausleben sexueller Gelüste, der Zulässigkeit von Lügen oder der Unbedingtheit der Pietät sieht. Insofern kann die Philosophie sehr nah an der Realität und praxisorientiert sein.

Ethik-Seminare für Politiker und Manager

Viele scheuen in Folge eines fehlgeleiteten Nutzenkalküls davor zurück, ihre Passion – sei es die Lehre der kapitalistisch stigmatisierten Bildungsbereiche, Musik, Kunst, etc. – zu verfolgen. Nur wenige dahingegen realisieren die Tatsache, dass eine (universitäre) Ausbildung, wie andere Bereiche des Lebens auch, in erster Linie ein Selbstzweck ist. Wir sollten dringend damit anfangen, mehr in Kategorien der intrinsischen und weniger der instrumentellen Werte zu denken. Glück statt Geld.
Es mag trivial klingen, doch in dieser Welt herrscht ein dramatischer Mangel an logischem Denken; mehr noch: würde man der Philosophie (ja, den Geisteswissenschaften insgesamt) einen höheren Stellenwert beimessen, so wären wir umso besser in der Lage, die großen und dringenden Probleme anzugehen. Ethikseminare für Politiker und Konzernchefs, Logikunterricht in der Schule, bewusstere Überprüfung von Argumenten in gesellschaftlichen Diskursen – Philosophie fürs Volk!