„Pulse of Europe”: So will die junge Bewegung Europa retten

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Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland und die Frage: Wie geht es mit Europa weiter? „Pulse of Europe“ will an die positiven Seiten erinnern.

Europa steht ein anstrengendes Jahr bevor: Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland, die Schuldenkrise ist noch nicht wirklich ausgestanden und dann wird auch noch über den Umgang mit Geflüchteten diskutiert.
Verschiedene Bewegungen und Organisationen versuchen aktuell an die positiven Aspekte von Europa zu erinnern – die Reisefreiheit etwa, an die mit einem kostenlosen Free-Interrail-Ticket für alle 18-Jährigen erinnert werden könnte (siehe unser Video-Interview dazu unten). Aber auch „Pulse of Europe” (kurz: „PoE”) setzt sich für Europa ein und zeigt das  deutschlandweit: Von Passau und München über Wiesbaden und Göttingen bis Hamburg und Berlin gibt es zahlreiche Städte, an denen sonntags Bürger für Europa auf die Straße gehen. In Göttingen organisiert das „PoE”-Event der Medizinstudent Paul Balfanz, 26, der eigentlich kein typischer Demo-Gänger ist.

Im Interview verrät er uns, was „PoE” ausmacht und warum er sich engagiert.

Paul, bei dir als Mediziner muss ich mir dieses Wortspiel erlauben: Wie steht es um Europas Vitalfunktionen?
Das Wortspiel will ich natürlich gerne weiterführen. Der Allgemein- und Ernährungszustand des Patienten ist vermindert. Der Patient zeigt Schwächeerscheinungen und geht nur minimaler Bewegung nach. In seinen Worten: Er fühlt sich schwach und er bekommt diese ganzen negativen Gedanken vom Aufhörenwollen. Auf der anderen Seite spürt er noch etwas Motivation, aber dafür braucht er eine passende Behandlung und Unterstützung.

Fernab aller noch so schönen Wortspiele: Ihr weist auf der „PoE”-Homepage vor allem auf die anstehenden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland hin, die rechtsnationale Kräfte stärken könnten. Was ist eure Strategie, um das zu verhindern?
Die Strategie ist erst einmal ziemlich simpel. Viel zu häufig wurde den negativen Stimmen hinsichtlich Europa Beachtung geschenkt. Wir wollen nun auch in Aktion treten, unser positives Bild von der Europäischen Union zeigen und dabei die Errungenschaften von Europa klar deutlich machen.

Paul Balfanz, Medizinstudent, organisiert in Göttingen
Paul Balfanz, Medizinstudent, organisiert in Göttingen „Pulse of Europe“

Ist es aber nicht viel schwieriger, Menschen für eine Sache auf die Straße zu bringen als dagegen?
Das mag richtig sein, aber die verschiedenen politischen Umstände drehen meiner Meinung nach die Verhältnisse etwas um. Negative Haltungen zu Europa werden immer mehr gehört und bekommen auch immer mehr Zuspruch, leider auch in politischer Hinsicht. Ich glaube, dies rüttelt die Menschen auf wie noch nie, denn sie sehen nun, dass Freiheiten in Gefahr sind, die zu ihrem Alltag geworden sind.

Du wohnst in Göttingen, kümmerst dich um das Event in der Studentenstadt. Bekommst du Unterstützung von den Organisatoren aus anderen Städten, die schon mehr Erfahrung haben?
So eine Bewegung von einer simplen Idee zu einer so großen Sache zu machen, wie sie es nun augenscheinlich wird, erfordert viel Organisation. Über Facebook sind die einzelnen Organisatoren der verschiedenen Städte gut innerhalb der Hauptseite von „PoE” vernetzt. Die Hauptorganisation geht aber immer noch von Frankfurt aus. Jede Stadt hat immer wieder neue Ideen, die natürlich auch oft gesehen, nachgemacht oder in einen Leitfaden übernommen werden, den alle Organisatoren haben.

„Pulse of Europe“ ist eine der vielen proeuropäischen Organisationen, die sich jüngst herausgebildet haben. Was unterscheidet euch von anderen, vielleicht auch schon länger bestehenden Angeboten?
Das Besondere ist, dass „Pulse of Europe” überparteilich und überkonfessionell ist. Jeder, gleich wo man herkommt, welchen Bildungsstand man hat, was man verdient, welches Leben man lebt, kann sich daran beteiligen. Vielleicht können wir so zeigen, wer Europa eine Identität gibt. Nämlich wir, die Menschen, die in der Europäischen Union leben und sie auch mitgestalten wollen.

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Posted by So Digi Pop on Donnerstag, 23. Februar 2017