Wie kreativ sollen Computer werden?

Lesedauer: 3 Minuten

Künstliche Intelligenz und Co. nehmen uns immer mehr Arbeit ab, aber eine menschliche Domäne bleiben kreative Prozesse. Was spricht dafür, was dagegen?

Dass Algorithmen, Künstliche Intelligenz und Co. uns immer mehr Arbeit und Denken abnehmen, lässt sich nicht leugnen; statt selbst zu googlen, liefert Siri Antworten, mittelfristig wird unser Kühlschrank selbstständig Lebensmittel ordern und so weiter. Aber eine weitestgehend menschliche Domäne bleiben kreative Prozesse. Sieht man vom Einsatz von visuellen Effekten (sehr eindrucksvoll bei „Game of Thrones“, aber Vorsicht: Spoiler) oder von Big Data (Stichwort „House of Cards“) ab, bleiben kreative Produkte wie Serien und Bücher zumindest in der Feinentwicklung in Menschenhand. Denn die großen Datenmengen, die die entsprechende Software verarbeitet, werden von menschlichen Gehirnen interpretiert und in Konzepte umgesetzt; gleichsam laufen visuelle Effekte nicht vollautomatisch ab, sondern werden von Menschen ausgedacht und eingebaut.

So zumindest der Status quo. Doch was, wenn noch schlauere Computer auch die Interpretation der Daten übernehmen und entsprechend Inhalte selbstständig erstellen? Einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Medien- und Digitalinitiative nextMedia.Hamburg zufolge finden die deutschen Internetuser das nicht so toll. 43 Prozent sehen es negativ und 29 Prozent eher negativ, sollten kreative Inhalte wie Bücher oder TV-Serien zukünftig nicht mehr von Menschen erdacht werden. Positiv (zwei Prozent) oder eher positiv (sechs Prozent) steht dieser Arbeitsübernahme kaum jemand gegenüber. „Weder noch“ antworteten 16 Prozent der von Statista Befragten. Aber was spricht eigentlich für und was spricht gegen nicht-menschlich erdachte Inhalte? Wir haben jeweils zwei Pro- und Kontra-Argumente gesammelt.

Pro: Fairness schaffen

Gut möglich, dass Algorithmen zu ganz anderen Schlussfolgerungen kommen als die betreuenden Redakteure oder Projektmanager. Zugegeben, das hängt immer auch davon ab, wie der Algorithmus programmiert wurde, aber gehen wir einfach mal von einem Algorithmus aus, der die ethnische Vielfalt in Filmen kongruent zur tatsächlichen Bevölkerung abbilden möchte: Würde er dann gleichermaßen drei Viertel der wichtigen Filmfiguren mit Weißen besetzen, wie es laut einer Studie zuletzt war? (Zum Vergleich die tatsächliche ethnische Aufschlüsselung). Gerade die Abbildung der gesellschaftlichen Vielfalt könnte also profitieren und die Schere im Kopf mancher Redakteure oder Lektoren umgehen.

Kontra: Erzählerisch nichts Neues

Aber könnten die Algorithmen wirklich neue Geschichten erzählen? Geht man von der Drei-Akt-Struktur oder dem narrativen Konzept der Heldenreise aus, ähnelt sich der strukturelle Aufbau von Geschichten sowieso immer. Aber oft sind es eben die kleinen Kniffe, die einen Inhalt besonders machen: Die zweisträngige Erzählweise des Films „Memento“ etwa oder kleine Insiderwitze, wie sie in Pixar- und Disneyfilmen versteckt sind. Ist es vorstellbar, dass diese kreative und detailverliebte Leistung wirklich vollständig von Computern übernommen wird?

Pro: Inhalte werden (noch) günstiger

Sollte ein kreativer Kopf tatsächlich auf die verrückte Idee kommen, von seinem Schaffen leben zu wollen – idealerweise noch über der Armutsgrenze – dann kostet das den Auftraggeber Geld. Und sollten das noch alle an einem Projekt beteiligten Personen wollen, kann ein Buch, Film oder selbst ein Werbeclip recht schnell recht teuer werden. Natürlich kostet auch Technik Geld und die Software-Entwickler werden ihre Produkte nicht verschenken, aber es könnte durchaus günstiger werden, Inhalte zu produzieren. Ein nicht unerheblicher Faktor im Kapitalismus.

Kontra: Menschliche Wärme kann der Computer nicht

Wenn Harry Potter zu seinem Endkampf mit Lord Voldemort aufläuft oder Marissa in „O. C. California“ stirbt, sind das zutiefst emotionale Momente, die den Rezipienten fesseln. Oft beruhen solche Momente auf Erlebnissen, die die Schöpfer selbst so oder anders erlebt haben; sie wissen, wie sich Verlust, Wut, Kampf und Liebe anfühlen. Könnte man einem Computer diese komplexen Emotionen wirklich so erklären, dass er sie reproduzieren kann? Dass sie die charakterliche Komplexität einer Olivia Pope aus „Scandal“ oder die Zerrissenheit eines Severus Snape aus „Harry Potter“ abbilden können? Dickes Fragezeichen.

Und was denkt ihr – was spricht für und was gegen schlaue Computer in der Inhaltserstellung? Diskutiert mit uns auf Facebook und Twitter.